Assign modules on offcanvas module position to make them visible in the sidebar.

logo erasmus ehemals   comenius Logo

 

Wahrheit und Migration

- das Thema Flucht und Vertreibung in der medialen (De)konstruktion –

 

Die Projektidee und ihre Entwicklung

Seit August 2017 befragen und begleiten der Theater-Projektkurs des RGE (pädagogische Leitung: Jenny Eggert, Mirko Gutt, Dr. Stefan Krüger, Barbara Weise; künstlerische Leitung: Miriam Michel) und ein Theater-Kurs des Lycée Gustave Eiffel in Bordeaux  – Frankreich (pädagogische Leitung: Brigit Farge, Ruth Fialho; künstlerische Leitung: Jürgen Genuit) im Rahmen eines Erasmus+-Projektes Menschen fremder Herkunft, die in den letzten Jahren ihr Heimatland alleine oder mit ihrer Familie verlassen haben.

Es ist nach dem Comenius-Projekt (2014-2016) bereits das zweite europäische Projekt, das nach langer intensiver Vorbereitung durch die finanzielle Unterstützung der EU verwirklicht werden kann und was somit den europäischen Gedanken der Begegnung aber auch der gemeinsamen Bewältigung von Problemen Wirklichkeit werden lässt und die S‘uS aktiv einbindet und sie als junge Europäer wachsen lässt. Auch diesmal wird zur Auseinandersetzung während des Projekts sowie abschließend im Jahr 2019 zur Präsentation und Vermittlung der Ergebnisse der Zugang über die darstellende Kunst – eine Theateraufführung – genutzt.

Für die gesamte Gruppe ist innerhalb des Projekts die Rolle der Medien beim Thema Flucht und Vertreibung von Interesse. Diese vermitteln - je nach Ausrichtung – objektive, mitunter aber auch subjektive Perspektiven, die die Bevölkerung und damit auch unsere S‘uS als zukünftige Generation nachhaltig beeinflussen.

Um den S‘uS zu einem kritischen Umgang mit dem Thema der Migration zu verhelfen und ihnen neben den Schwierigkeiten auch die Möglichkeiten des Aufeinandertreffens und des vielfältigen Zusammenlebens zu zeigen, sollen sie durch das Projekt für die Rolle der Medien sensibilisiert werden. Es soll eine Reflexion der eigenen Wahrnehmung der Flüchtlingssituation, exemplarisch an Frankreich und Deutschland, bei den Projektteilnehmern und allen das Ergebnis der Aufführung betrachtenden Menschen erzielt werden. So kann möglicherweise geschürten Ängsten oder auch Fremdenhass begegnet werden. Dass Menschlichkeit und Mitmenschlichkeit hier unverzichtbar sind, soll gezeigt und empfunden werden.

Um etwas über den Migrationshintergrund von Mitmenschen, die Ursachen für das Verlassen des Landes, ihre familiäre Situation derzeit und früher, ihren Fluchtweg, ihre Ankunft und Aufnahme im neuen Land, ihre Eindrücke von den Menschen etc. zu erfahren, erfolgten die Begegnungen im ersten Jahr überwiegend recherchierend wie nachfolgend genauer dargestellt wird.

 

Die Durchführung des Projektes

Nach einer Phase des Kennenlernens der S`uS der jeweiligen Gruppen auch durch Improvisationsübungen, wurde die Problematik zunächst von den einzelnen Schülern durch die Auseinandersetzung mit Zeitungsartikeln, Filmauszügen, Chatverläufen o.ä. entfaltet.

Es folgte in Zusammenarbeit mit Frau Schilling und Herrn Dr. Dreßler ein Kennenlernen einiger S’uS der Willkommensklassen, deren Lebensläufe  dokumen-tarisch mit eigens erstellten Fragenkatalogen erfasst wurden, um etwas über ihr Leben vor, während und nach der Flucht zu erfahren. Die Gespräche wurden gefilmt oder auch protokolliert, die erhaltenen Berichte analysiert und in vier Gruppen mit den vorherigen Informationen aus Zeitungen, von Parteien o.a. politischen Gruppierungen sowie der Ennepetaler Haltung unterschiedlicher Menschen zum Thema verglichen. Diese Ergebnisse bzw. Strategien bzgl. der Herangehensweise an das gemeinsame Projekt wurden beim ersten bzw. zweiten Treffen mit den Franzosen in Ennepetal oder Bordeaux ausgetauscht, was nachfolgend noch weiter ausgeführt wird.

Die gedankliche Auseinandersetzung wurde und wird immer wieder z.B. auch in Theater-Workshops an den Wochenenden mit der Theaterpädagogin, Miriam Michel, unterstützt. So wird u.a. auch das spätere Theaterspielen auf der Bühne vorbereitet und trainiert.

Die Sichtung und Auswertung des gesamten erarbeiteten Materials erfolgt dann weiter im Schuljahr 2018/19 in Zusammenarbeit mit den Lehrern und Künstlern (aus dem Bereich Theater, Autoren…). Hier wird ausgetauscht, verglichen und alles in einem Theateratelier zu einem Stück mit Teildokumentationen des ersten Jahres zu einem großen Ganzen montiert. Um die Hauptfrage der medialen (De)-Konstruktion der Flucht und Vertreibung für Außenstehende angemessen zu beantworten, sollen von den Schülerinnen und Schülern aus Teilen der Dokumentation Theaterszenen entwickelt und inszeniert werden.

 

Die Austausche

  1. Zur Entwicklung der Grundidee sollten die französischen Schülerinnen und Schüler die deutschen, deren Heimat, die deutsche Sprache sowie die deutsche Kultur zunächst bei einem ersten Treffen in Deutschland/ Ennepetal (April 2018) kennenlernen. Schon hier wurde die Idee des „Fremdseins“ der französischen Schüler, die für einige Jugendliche durch den Besuch der deutschen Schule und die Unterbringung in deutschen Gastfamilien bestimmt eine neue Erfahrung darstellt, genutzt. Die Situation, wie es ist, wenn man in ein anderes Land kommt, dessen Sprache man nicht spricht, jedoch Dinge erledigen muss, ggf. sogar von Unmut und Schwierigkeiten begleitet wird, wurde zusammen in Diskussionskreisen besprochen oder auch künstlerisch verarbeitet.

Weiterhin kam es zu einem vertieften informierenden Austausch über die momentane Migrationssituation in Deutschland und Frankreich. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, wie die Jugendlichen beider Länder Erfahrungen von Flüchtlingen eigenständig dokumentieren können und welche Möglichkeiten vorhandene Medien hier bieten. Selbst verfasste Texte der Franzosen wurden vorgetragen und in den Materialpool aufgenommen.

  1. Der zweite Austausch fand im April 2018 statt und diente dazu, gesammelte Materialien, Texte und Plakate weiterzuentwickeln, Schwerpunkte zu setzen und in gemischten Gruppen eigene Szenen zu gestalten. So kam die deut-sche Gruppe nach einer langen Busfahrt im Theater in Bruges/Bordeaux an und begann Gefühle wie Erschöpfung, Angst vorm Unbekannten und Fragen der Verständigung ohne die Sprache zu sprechen durch eine szenische Improvisationsübung zum Ausdruck zu bringen. Texte fremder Sprachen wurden mit verschiedenen Emotionen gelesen ohne den Inhalt zu verstehen.

Folgende Themenbereiche wurden gebildet bzw. näher betrachtet und in Theaterszenen umgesetzt, die ein Teil, das Grundgerüst des Theaterstückes, ausmachen sollen:

- Situation und Ausgangslage als Ursache von Flucht

- Fluchterfahrungen

- Situation und Reaktionen in den aufnehmenden Ländern, Probleme und Möglichkeiten - Vorbehalte und Hilfsbereitschaft

- Ängste und Hoffnungen

Kontakte mit Flüchtlingen fanden in der Vorbereitung innerhalb des Projektkurses sowie mit S'uS der Willkommensklasse des Reichenbach-Gymnasiums in Ennepetal - und dem Theater-Kurs des Lycée Gustave Eiffel – statt, Flüchtlingseinrichtungen wurden besucht, in Bordeaux konnten die Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Vertretern einer Französischen Flüchtlingsorganisation (Cimade et Tri Poteset Macagne) ins Gespräch kommen, diese Veranstaltung fand am Montag, 23.04.18 statt. Danach wurde Filmmaterial zu diesem thematischen Schwerpunkt gesichtet und besprochen. Eine vertiefende kritische Auseinandersetzung mit diesen Erfahrungen und Materialien fand im Anschluss daran wiederum innerhalb von Theater-Workshops im Lycée Gustave statt: In Zusammenarbeit mit Lehrern und Künstlern und den beteiligten S'uS wurden aus dem Material Schwerpunkte (s.o.) ausgewählt, Möglichkeiten und Grenzen einer Inszenierung besprochen (so wurde schnell deutlich, s.o., dass eine um realistische und lineare Darstellung bemühte Inszenierung für Laiendarsteller kaum möglich würde). Die o.g. Aspekte wurden szenisch umgesetzt und dienen als Grundgerüst bzw. Leitfaden für die Weiterarbeit in den nationalen Gruppen. Weitere Schwerpunkte der Begegnung dienten dem Kennenlernen des Gastlandes, was durch eine Stadtführung durch Bordeaux am Ankunftstag sowie am Donnerstag (26.04.) stattfand. Das Erkunden der näheren Umgebung (Arcachon und die Dune de Pyla) wurde als Exkursion am Dienstag, 24.04.18, durchgeführt.

3./4. Ab April 2018 soll das von den Theaterpädagogen erstellte Skript auf der Bühne von den Schülerinnen und Schülern des jeweiligen Landes geprobt und bei weiteren Austauschen in Deutschland sowie Frankreich von beiden Gruppen gemeinsam inszeniert werden.

 

Am Erasmus+ Projekt beteiligte S‘uS

19 deutsche Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 - 17 Jahren wählten diesen Projektkurs in der EF zusätzlich. Die Beherrschung der französischen Sprache war dabei keine Voraussetzung. Daher sind entsprechende, altersgemäße Fremd-sprachenkenntnisse nur teilweise vorhanden. Diese waren bewusst keine einschrän-kende Bedingung, um allen interessierten Schülerinnen und Schülern die Begeg-nungen mit gleichaltrigen anderen Europäerinnen und Europäern zu ermöglichen.

Auch bei den 19 französischen Schülern (14 - 18 Jahre) beherrschen nicht alle die deutsche Sprache. Einige erlernen sie derzeit in einem bilingualen Theater-Kurs.

 

Ergebnisse des Projekts

Neben einem erweiterten Verständnis für die Probleme von Flüchtlingen soll mit diesem Projekt die soziale und mediale Kompetenz aller Beteiligten gestärkt werden. Daneben ist auch zu erwarten, dass sprachliche Fähigkeiten und Fertigkeiten geübt werden und sich zunehmend verbessern. Dies bezieht sich nicht nur auf die jeweilige Mutter- und Fremdsprache, sondern auch auf die gewählte Verkehrssprache des Projekts (Englisch). 

Zudem freuen sich alle Beteiligten darauf, die Ergebnisse einem großen Publikum präsentieren zu dürfen, um auf die momentane Situation von Flüchtlingen in Europa aufmerksam zu machen und den europäischen Gedanken zu stärken.

Back to top