Ultraleichtflugzeug 2004

Ein Ultraleicht-Flugzeug - das kommt dabei heraus, wenn man einen Lehrer, fünf Schüler, Balsaholz, Carbonstäbe, Kondensatorfolie und einiges mehr vermischt, mit genügend Motivation würzt und mit Geduld und einer Prise Feinmotorik abschmeckt.

Doch bevor es soweit ist, muss einiges geschehen und natürlich stellt sich die Frage, wie man auf eine solche Mischung kommt.

Angeregt durch den Wettbewerb freestyle-physics, der wie jedes Jahr dazu aufruft Ideenvielfalt, Raffinesse und technisches Geschick zu zeigen und sich an einer der 6 gestellten Aufgaben zu versuchen, beschloss das Oberhaupt des Physik-LKs der damaligen Jahrgangsstufe 12, Jürgen Kurzrock, diesen Wettbewerb seinen Schülern schmackhaft zu machen, da diese zum Lösen solcher Aufgaben wie gemacht schienen. Und tatsächlich fanden sich zwar nicht sofort, aber dann doch fünf mehr oder weniger Freiwillige, die sich, wie auch ihr Lehrer, für den Bau eines Ultraleicht-Flugzeuges zu interessieren schienen: Bastian Willim, Frederik Peiniger, Michael Hensel, Stephanie Osthoff und Cornelia Härtel. Der Grundstein war gelegt und die Aufgabe klar: Baut ein Flugzeug (die Spannweite soll zwischen 30 und 60 cm liegen) mit einem Gummibandmotor, das möglichst leicht ist und lange in der Luft bleib, dabei sind keine Bausätze erlaubt, es steht allerdings frei, einen vorgefertigten Propeller zu verwenden. Eigentlich ganz leicht. Ganz leicht? Nein, ganz leicht war es nun doch nicht, denn die anfängliche Trägheit musste in Motivation umgewandelt werden, welches nur langsam voranging. Zunächst brauchte man eine Idee, einen Plan. Gut, dass es das Internet gibt! Nachdem ein bisschen recherchiert wurde und erste Versuche gestartet wurden, entstanden konkrete Vorstellungen vom zu bauenden Flugzeug und auch eine Einkaufsliste. Es wurden Balsaholz, Alurohre, Carbonstäbe, Kondensatorfolie und ein Gummiband benötigt, eigentlich , so würde man sagen, dürfte das Besorgen dieser Utensilien das kleinste Problem sein, leider war dem nicht so, denn Gummiband ist nicht gleich Gummiband. Ein zu dickes Gummiband hätte das Flugzeug zu stark, ein zu dünnes gar nicht steigen lassen. Letztenendes kam das optimale Gummiband aus den Niederlanden. Nachdem Kellerräume in zeitweilige Werkstätten verwandelt wurden, begann das Schneiden, Schleifen und Kleben. In mühevoller Kleinarbeit nahm das Flugzeug langsam Gestalt an. Da ein vorgefertigter Propeller dem entstehenden Flugzeug nicht gerecht hätte werden können, wurde auch dieser selbst angefertigt. Um eine Wölbung der aus Balsaholz bestehende Propellerblätter zu erreichen, wurde das Holz zunächst in heißem Wasser biegsam gemacht, danach in Form gebracht und im Ofen getrocknet - eine typische Frauenaufgabe, die dem weibliche Anteil des Teams zufiel. Beim Bespannen der Tragflächen mit der Kondensatorfolie legte der heimliche Drahtzieher namens Kurzrock selbst Hand an und griff zum Bügeleisen, mit dem die Folie befestigt wurde. Wie es sich gehört fanden Probeflüge statt, bei denen auch das Aufziehen des Gummibandes mit Hilfe einer Bohrmaschine getestet wurde. Bevor die mittlerweile vom Wettbewerbsfieber ergriffenen Erbauer samt Flugzeug, für das extra aufgrund der Zerbrechlichkeit eine Transportkiste gebaut wurde, zum Wettbewerb fahren konnten, brauchte das Endprodukt ihrer Arbeit noch einen Namen. Die beiden Hauptbauer Michael und Frederik, die die „Fliegkraft" des Flugzeuges als ähnlich empfanden wie die Zerstörungskraft des B52 ( hier ist keineswegs ein Flugzeug gemeint, sondern ein Getränk ), tauften es dementsprechend B52.

Der Schock kam, als sich am Wettbewerbstag auf dem Campus der Universität in Duisburg herausstellte unter welchen Bedingungen die B52 fliegen sollte. Nicht nur, dass die Halle zu niedrig schien - in den Testflügen stieg die B52 um einiges- aber viel schlimmer war die Tatsache, dass die Halle mit etwa 400 Leuten gefüllt war und außerdem die Türen offen standen. Bei einem Gewicht von 9 g reagierte die B52 auf jeden Luftzug empfindlich und ging deshalb, anders als in den Probeflügen, relativ schnell zu Boden. Zwar erlaubte die Wettbewerbsleitung einen zweiten Versuch, jedoch blieb auch dieser wegen eines Risses in der Kondensatorfolie, der durch die Landung beim ersten Flug entstanden war, relativ erfolglos.

Am Boden zerstört reiste das 5-köpfige Team ab und bekam gar nicht mit, dass es aufgrund des Gewichtes und der Posterpräsentation trotz der kurzen Flugzeit einen stolzen 6. Platz erreicht hatte.

 

Cornelia Härtel

 

Impressionen:

slowflyer

Frederik Peiniger, Cornelia Härtel, Bastian Willim, Stephanie Osthoff, Michael Hensel

slowflyer (1)
 

  Der fertige Slowflyer ist flugbereit 

 

slowflyer (2)
 Slowflyerbau