Die Entwicklung von einer Privatbildungsanstalt zum Städtischen Reichenbach-Gymnasium (1799 - 1999)

 

 Mit ihrem Namen stellt sich die Schule in die Tradition der Bemühungen um eine höhere Schulbildung im Gebiet der heutigen Stadt Ennepetal, die ihren Ausgangspunkt im Jahr 1799 nahmen mit der Gründung einer Schule durch

Johann Wilhelm Reichenbach (1753-1815)

Am 6. Juli 1777 trat Reichenbach an der evangelischen Kirchengemeinde Voerde das Pfarramt an. Pfarrer Reichenbach war nicht nur ein sehr guter Seelsorger sondern auch ein vielseitig begabter und gebildeter Mann mit hohem sozialen Verantwortungsbewußtsein und mit dem Blick für die Anliegen und Bedürfnisse seiner Gemeinde. In den 38 Jahren seines Wirkens hat er Außergewöhnliches für die Gemeinde und ihre Einwohner geleistet:

Pfarrer Reichenbach betrieb den Neubau der Johanneskirche in Voerde, die damals ihre heutige Gestalt erhielt und im Jahr 1781 eingeweiht wurde.

1812 gelang ihm die politische Wiedervereinigung Voerdes, das seit der Zeit Karls des Großen östlich der Lindenstraße dem Gogericht Hagen und westlich der Lindenstraße dem Gogericht Schwelm unterstand. Lediglich die Kirchengemeinde hatte die Ortschaft zusammengehalten.

Pfarrer Reichenbach hat das Gemeinde-Armenwesen neu geordnet, in Voerde ein Armenhaus eingerichtet und ein Winterhilfswerk gegründet.

Kein Vertrag wurde in Voerde ohne seine Mitwirkung abgeschlossen, über hundert Streitfälle hat er geschlichtet.

Die Reichenbachsche Privatbildungsanstalt 1799-1815

Ausgangspunkt für Pfarrer Reichenbachs Anstalt war der Unterricht für die eigenen Kinder, zu denen bald Kinder aus der Gemeinde hinzukamen, die er unentgeltlich unterrichtete. Der Wunsch vieler Gemeindemitglieder nach "höherem Unterricht" für ihre Kinder führte schließlich zur Gründung der "Reichenbachschen Privatbildungsanstalt für Knaben zu Voerde" und zur Einstellung von Lehrern (1799). Durch Reichenbachs pädagogisches Geschick und sein Organisationstalent erlangte die Schule bald einen hervorragenden Ruf und überregionale Bedeutung. Auswärtige Schüler aus den umliegenden Orten, aus dem Bergischen Land und dem Ruhrgebiet, ja sogar aus Amsterdam und Paris kamen hinzu und wurden in einem Schülerheim untergebracht. Die Schule hatte meist 30-40 Schüler (Höchstzahl: 41 Schüler im Dezember 1807) und drei bis vier Lehrkräfte, darunter einen Musiklehrer und zeitweise auch einen Tanz- und Fechtmeister.

Die Bildungsziele seiner privaten höheren Lehranstalt beschrieb Pfarrer Reichenbach folgendermaßen: "(1) Wer studieren will, kann in meiner Anstalt den Grund dazu legen. (2) Wer Künstler werden will, kann dazu die erste Vorbereitung erlangen. (3) Wer sich zum Kaufmann bestimmt hat, kann in dem ihm nötigen Wissenschaften und Sprachen hinreichenden Unterricht erhalten. (4) Wer nur Fabrikant und Ökonom werden will, kann den Unterricht finden, den er begehrt." Er wollte aber seinen Schülern nicht nur Wissen vermitteln, sondern sie auch zu Menschen erziehen, "welche sich und anderen zum Besten wirken können, und damit sie das auch wollen, so ist es mein Hauptzweck, sie moralisch gut zu bilden."

Im Oktober 1815 verstarb Pfarrer Reichenbach an den Folgen eines langwierigen Magenleidens. Noch weit über seinen Tod hinaus hat sich die pädagogische Tätigkeit des Voerder Pfarrers positiv ausgewirkt, denn aus seiner Schule sind "weithin die Männer hervorgegangen, welche in Voerde und Umgebung die Industrie hochgebracht haben: die Eicken, die Lohmann, die Bilstein, die Asbeck, die Altenloh, die Brinck, die Hesterberg, die Brand u.a." (zitiert nach Pastor Siekermann, Die Kirchengeschichte von Voerde II. Teil).

Die private höhere Kandidatenschule 1839-1854

Reichenbachs Nachfolger im Pfarramt war nicht in der Lage, die Schule weiterzuführen. Erst wieder 1839 wurden auf die Initiative zweier ehemaliger Reichenbach-Schüler zwei Räume angemietet. Dort unterrichteten die Pfarramtskandidaten Julius Rollmann (geb. 1806, gest. 1885) und Thulemeyer etwa 40-50 Jungen und Mädchen größtenteils aus Kaufmanns- und Fabrikantenfamilien. Die private Kandidatenschule in Voerde war eine der ersten Schulen, in denen durchgehend koedukativ unterrichtet wurde. Der Schwerpunkt des Unterrichts lag bei der Berufsausbildung für Kaufleute und Fabrikanten, musische Fächer und Fächer, die auf ein wissenschaftliches Studium hätten vorbereiten können, wurden nicht angeboten. Der Schulinspektor des Landkreises Hagen, Pfarrer Carl Küper, berichtet 1842 über Julius Rollmann nach Arnsberg: "Als Schulmann hat der Candidat sich tüchtige Kenntnisse erworben, geht mit Sicherheit beym Unterrichten zu Werke, hat Vorliebe für's Unterrichten, betreibt es mit lebhaftem Interesse und führt einen exemplarischen Lebenswandel. Seine Schule ist geräumig und hell u. läßt nichts zu wünschen übrig."

Die Rektoratsschule 1854-1939

1854 beschloß der Voerder Gemeinderat, die Schule finanziell zu unterstützen. Die private Kandidatenschule wurde dadurch zur halböffentlichen "Rektoratsschule". Julius Rollman schied aus seinem Dienst an der Lehranstalt aus. In den folgenden Jahren wechselte die Schulleitung häufig. Von 1860 - 63 versuchten Pfarrer Diestelkamp und Hilfsprediger Rollmann noch einmal Stetigkeit in Schule und Unterricht einkehren zu lassen. Schließlich wurde die Schule auf Betreiben von Pastor Diestelkamp und Amtmann Gutjahr im Jahr 1870 in eine öffentliche Kommunalschule umgewandelt. Ab 1875 kam erheblich größere Kontinuität in die Rektoratsschule. Mehr als 60 Jahre lang wurde die Schulgeschichte von drei Persönlichkeiten geprägt:

Rektor Hinrich Sinn (1875-1910) und Konrektor Wilhelm Tönshoff (1884-1926) begründeten den guten Ruf, den die Schule bei allen weiterbildenden Schulen der Umgebung genoss. Die Schülerzahlen wuchsen:

1873:

37 Schüler in zwei Klassen

1890:

63 Schüler in zwei Klassen mit je zwei Abteilungen

1895:

72 Schüler

1906:

100 Schüler (vier Klassen von Sexta bis Tertia)

Mehrfach wechselte die Schule die Gebäude: Der heutige Westfälische Hof wurde 1876 bezogen, 1894 zog man in das neu gebaute Sarastift an der Bergstraße und schließlich dann in ein neues Gebäude an der Lohernockenstraße, das im April 1896 feierlich eingeweiht wurde.

Der Kaufmann Karl Heinrich Kotthaus (1805-1880) vermachte durch sein Testament der Gemeinde eine Summe von 90.000 Mark zur Unterstützung begabter Schüler. Die Kotthausstiftung hatte die Aufgabe, fleißigen und begabten Jungen den Besuch der höheren Klassen der Schule in Voerde zu ermöglichen. So weist eine Schulstatistik aus dem Jahr 1920 folgende Herkunft der Kinder aus: 34% aus Arbeiter- und 22% aus Handwerkerfamilien, 25% aus Fabrikanten- und Kaufleutefamilien, 19% aus Angestellten-, Landwirts- und anderen Familien. Die Voerder Schule war nicht zuletzt dank der Kotthausstiftung alles andere als eine Standesschule für Kinder reicher Eltern. Bis zur Einführung der Schulgeldfreiheit (1959) existierte in Voerde eine Stiftung dieses Namens, die begabte Schülerinnen und Schüler, deren Eltern die Kosten für den Schulbesuch nicht aufbringen konnten, unterstützte.

1910 löste Hermann Blanck Rektor Hinrich Sinn ab und leitete die Geschicke der Schule bis zum Jahr 1938. 1911 wurde die Voerder Rektoratsschule der höheren Lehranstalt in Gevelsberg angegliedert, die schultechnische Aufsicht wurde dem Direktor des Gevelsberger Realgymnasiums übertragen. Die Oberaufsicht behielt der Kreisschulinspektor in Schwelm als Beauftragter der Königlichen Regierung in Arnsberg; ab September 1933 unterstand die Schule der direkten Aufsicht des Regierungspräsidenten Arnsberg. Die Verwaltung der Schule lag in den Händen eines achtköpfigen Kuratoriums, das mit Vertretern des Amtes, der Gemeinde, der evangelischen Kirche und dem Schulleiter besetzt war.

Mehrere Lehrer der Schule unter ihnen auch Rektor Blank wurden 1914 bzw. 1916 zum Militärdienst eingezogen, zwei von ihnen fielen. Nur mit unbezahlten Überstunden und der Hilfe zweier Lehrerinnen konnte der Schulbetrieb während der Kriegszeit aufrecht erhalten werden. Im November 1928 beschloss das Kuratorium die Erweiterung der Schule auf eine fünfte Klasse, die Obertertia. Die wachsende Zahl der Klassen und Schüler erforderte wieder einen Umzug in ein größeres Gebäude. Die ursprünglich als Volksschule und später als katholische Schule genutzte Schule am Häufgen wurde 1935 der neue Standort der Rektoratsschule, die damit auch für Schüler aus Milspe und Altenvoerde leichter zu erreichen war. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 verzeichnet die Schulchronik häufigen Unterrichtsausfall durch Schulfeiern, Gedenkstunden, Vorträge, Führerreden und Reden verschiedener Parteigrößen, Nationalfeiertage und dgl. In seiner Schulgeschichte beklagt Dr. Fritz Bachmann, dass die Jugend dieser Zeit nicht mehr ihr Hauptinteresse der Schule zuwandte. Die stärkste Jugendbewegung in Voerde und Umgebung bildete ursprünglich der CVJM. Jedoch wurde die Mitgliedschaft in Jungvolk, Hitler-Jugend und dem Bund deutscher Mädchen bald Pflicht, wenn man nicht schwerwiegende Nachteile in Kauf nehmen wollte. Die Tätigkeit in diesen Organisationen absorbierte die Jugend und beeinträchtigte die Schularbeit erheblich.

Im März 1938 wurde Rektor Blanck in den Ruhestand versetzt, seine Verdienste wurden in einer schlichten Abschiedsfeier gewürdigt.

Die deutsche Oberschule 1939-1949

Auf Grund einer Neuregelung des höheren Schulwesens beschloss die Voerder Gemeindevertretung die Umwandlung der Rektoratsschule in eine fünfklassige deutsche Oberschule zum April 1939. Dadurch wurde es den Schülern möglich ohne eine zusätzliche Prüfung in die jeweils nächsthöhere Klasse einer höheren Schule zu wechseln. Das Lehrerkollegium wurde mit 7 Lehrkräften (davon 1 Lehrerin) vollständig neu besetzt. Als Folge des Kriegsbeginns am 1. September 1939 wurden die männlichen Lehrkräfte nach und nach zum Militärdienst einberufen. Im Jahr 1942 bestand das Lehrerkollegium lediglich noch aus drei Studienassessorinnen. Lehrerinnen und Lehrer aus der Oberschule Gevelsberg und den benachbarten Volkschulen halfen aus.

Ab 1943 wurde der Unterricht massiv durch Bombenangriffe gestört, in der Schule wurden Luftschutzräume eingerichtet. Bei Fliegeralarm während des Unterrichts mussten alle Schüler in den Keller gehen; dort wurde der Unterricht so weit wie möglich weitergeführt. Als gegen Ende des Krieges fast täglich ab 8 bis 9 Uhr morgens mit Angriffen zu rechnen war, wurde der Unterrichtsbeginn auf 7 Uhr vorgelegt. Ab Januar 1944 wurden Schüler, die mindestens 16 Jahre alt waren, als Luftwaffenhelfer verpflichtet und in der Nähe von Voerde stationierten Flakeinheiten zugeordnet. Ihr Dienst sah vormittags flakartilleristische Ausbildung und nachmittags von 15 - 18 Uhr Schulunterricht vor. Die Schüler waren eine Zeitlang am Tücking bei Hagen in Stellung.

Obwohl nach dem Krieg die einheimische Bevölkerung einen großen Teil Voerdes räumen musste, um Platz für die Einquartierung ausländischer Soldaten, Russen, Italiener, Jugoslawen und Polen zu schaffen, gelang es zu Beginn des Jahres 1946, im Schulgebäude am Häufgen die Oberschule offiziell wiederzueröffnen. Die größten Probleme in der folgenden Zeit war die mangelhafte Ernährung und die unzureichende Versorgung mit Brennmaterial. Die amerikanische Besatzungsmacht organisierte eine Schulspeisung. Das tägliche Eintopfgericht bewahrte viele Jungen und Mädchen vor schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden. Um die Brennstoffknappheit auszugleichen wurden die Eltern gebeten, täglich ihren Kindern ein Brikett und ein paar Scheite Holz in die Schule mitzugeben.

In dem nach einer Neuordnung der Lehrverfassung organisierten Unterricht begannen die Jungen der Voerder Oberschule mit Latein (8 Wochenstunden!) und lernten als zweite Fremdsprache ab Quarta Englisch, während die Mädchen mit Englisch begannen und ab Quarta Französichunterricht erhielten. Hierdurch und durch die Einrichtung einer sechsten Klasse (Untersekunda) im Jahr 1947 entwickelte sich die Oberschule in Richtung eines selbstständigen Progymnasiums. Der erfolgreiche Abschluss der sechsten Klasse ("Mittlere Reife") ermöglichte den Besuch der Oberstufe des Gymnasiums.

Das Progymnasium Ennepetal 1949-1960

Die Umwandlung der bisherigen Oberschulen in Gymnasien im April 1949 durch die Landesregierung erforderte eine Entscheidung für eine der Schulformen, alt- oder neusprachlich oder mathematisch-naturwissenschaftlich. Um den Schülern nach der Untersekunda den Übergang auf die mathematisch-naturwissenschaftlichen Schulen der Nachbarstädte Schwelm und Gevelsberg zu erleichtern, entschied man sich ebenfalls für diese Schulform. Die Schule erhielt die Bezeichnung "Städtisches mathematisch-naturwissenschaftliches Progymnasium Ennepetal".

Der Unterhaltsträger wurde die neu gegründete Stadt Ennepetal, ein Zusammenschluss der Gemeinden Milspe und Voerde und einer Reihe umliegender Ortschaften. An die Stelle des früheren Kuratoriums trat der Schulausschuss der Stadt.

Höhepunkte im Schulleben der folgenden Jahre waren Weihnachtspiele (1948 und 1951), Theateraufführungen und die Feiern zum 100-jährigen Jubiläum der Rektoratsschule 1954. Zu diesem Anlass verfasste Dr. Bachmann eine ausserordentlich sorgfältig und gut recherchierte "Geschichte der höheren Schule in Ennepetal 1799-1954". Im Schuljahr 1957/58 begann die Umwandlung des bisherigen mathematisch-naturwissenschaftlichen Progymnasiums in ein neusprachliches Progymnasium. Im Dezember 1957 entschieden sich Kollegium, Schulpflegschaft, Schulausschuss und die Stadtvertretung, die Schule zu einer Vollanstalt auszubauen. Die mit der Aufsichtbehörde aufgenommenen Verhandlungen führten im Juni 1959 zum Erfolg. Die Einrichtung einer Oberstufe wurde genehmigt.

Das Reichenbach-Gymnasium Ennepetal 1960 bis heute

Im Schuljahr 1960/61 begann die erste Obersekunda mit ihrem Unterricht; die letzte Etappe auf dem langen Weg zum Abitur an der eigenen Schule hatte begonnen. Natürlich schlug sich der neue Status der Schule auch in einem neuen Namen nieder: Das bisherige "Städtische Neusprachliche Progymnasium Ennepetal" nannte sich nun nach dem so verdienstvollen Gründer der ersten höheren Privatschule in Voerde "Städtisches Reichenbach-Gymnasium Ennepetal".

Die Schule behielt ihre neusprachliche Ausrichtung. Mitte der 60er Jahre wurde zwar ein mathematisch­naturwissenschaftlicher Zweig genehmigt, wegen der bald folgenden Oberstufenreform haben aber nur noch zwei Schülerjahrgänge Abiturprüfungen mit einem mathematisch-naturwissenschaftlichen Schwerpunkt nach altem System abgelegt.

Erster Leiter des Gymnasiums wurde OStD Dr. Fritz Textor, ehemals erster Bürgermeister der 1949 gegründeten Stadt Ennepetal.

Die Aussicht, ohne einen Schulwechsel, also auf einer weiterführenden Schule bis zum Abitur zu gelangen (was bisher in Ennepetal nicht möglich gewesen war), führte, natürlich neben anderen Faktoren, zu einem 'Schülerboom', der sich unmittelbar 1960 bereits andeutete: erstmals mußte nämlich - zugleich mit der Obersekunda - eine zweite Sexta eingerichtet werden. Besuchten im 'Gründungsjahr' 1960/61 287 Schüler/innen die Schule, waren es 1980/81, also nur zwanzig Jahre später, 1226 Schüler/innen. In den letzten Jahren hat sich die Zahl zwischen 900 und 950 eingependelt.

Ein entsprechender Anstieg war folgerichtig bei der Zahl der Abiturienten zu verzeichnen: 1963 - für die erste Abiturprüfung am Reichenbach-Gymnasium - hatten sich 13 Mädchen und 3 Jungen qualifiziert; 1984 durften sich 125 Schüler/innen (59/66) über das Abiturzeugnis freuen. Nun verlassen jährlich zwischen 70 und 85 Abiturientinnen und Abiturienten unsere Schule.

Bei der ständig wachsenden Schülerzahl konnten Erweiterungsbauten am Häufgen (Standort der Schule seit 1935) die Raumnot bald nicht mehr beheben - eine neue Schule mußte gebaut werden. 1971/72 wurde sie eingeweiht und bald darauf durch einen größeren Anbau und durch eine auch hohen Ansprüchen genügende Dreifachturnhalle erweitert bzw. vervollständigt. Positive Zugabe: ruhige Lage und doch nicht abgeschieden. Die vielfältige nichtschulische Nutzung von Aula und Turnhalle macht den Schulkomplex zu einem gefragten kulturellen und sportlichen Treffpunkt und Schauplatz in unserer Stadt.

Nach der Gründungs- und (Auf-)Bauphase leitete OStD Horst Kötter die Schule; in seine Amtszeit (1973 - 1992) fallen mit der Umgestaltung der Oberstufe, der Mittelstufen-Differenzierung, der Einführung des Schulmitwirkungsgesetzes u.a. viele der einschneidenden und weitreichenden schulpolitischen Veränderungen. Auch seit dem Amtsantritt von OStD Dieter Schidt fehlt es nicht an Veränderungen...

Die schon genannte Oberstufenreform führte zur Kooperation mit dem einige Kilometer entfernten Städt. Gymnasium Gevelsberg. Wegen der erheblichen fahrtechnischen und organisatorischen Probleme muß sich das gemeinsame Angebot aber, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auf die Leistungskurse beschränken.

Eine Zusammenarbeit ganz anderer Art hat sich während der letzten Jahre mit der Städt. Musikschule Ennepetal entwickelt. In sehr unterschiedlicher Form haben sich anfangs Literatur- und Kunstkurse mit Instrumentalgruppen zu gemeinsamen Aktionen zusammengefunden, etwa bei der zu einer festen Einrichtung gewordenen Matinee "Foyer Reichenbach". Inzwischen ist mit Tanz, Gymnastik, Pantomime u.a. die Vielfalt der Ausdrucksformen und Möglichkeiten, ein Thema zu gestalten, erweitert worden. Aus den Erfolgen und der guten Zusammenarbeit heraus ist die Idee eines (zunächst) punktuellen gemeinsamen Unterrichts erwachsen: geplant bzw. in der Vorbereitung ist ein 'Orchester-Pilotprojekt' in einer 5. oder 6. Klasse, getragen von beiden Schulen.

Auch zu nichtschulischen Einrichtungen werden Kontakte unterhalten: Das Praktikum in den 9. Klassen und Berufserkundungswochen oder vergleichbare Unternehmungen in der Oberstufe erfordern u. a. gute Verbindungen zur 'Arbeitswelt' in all ihrer Vielfalt. Die Lehrer erweitern auf diesem Feld ihr 'Weltbild' und ihre Kenntnisse in einem seit Jahren sehr aktiven Arbeitskreis "Schule und Wirtschaft".

Die langjährige enge Partnerschaft mit dem College et Lycée Jean Lemaire de Belges in Bavay (Nordfrankreich) hat intensive Beziehungen sogar über die Schulen hinaus gefördert: durch die alljährlichen, jeweils eine Woche währenden Schülerbegegnungen in Bavay und Ennepetal angeregt, ist ein 'Freundeskreis Bavay' (und natürlich sein Gegenpart in Frankreich) entstanden, der die Intentionen der Schulpartnerschaft auf anderer Ebene und mit anderen Schwerpunkten fortsetzt und intensiviert.

Das Gymnasium hat seinen Platz in der Stadt, und es wirkt bei vielen Gelegenheiten über den Schulbereich hinaus. Was die Schule leistet, was in ihr geschieht, wird von der Öffentlichkeit wahrgenommen. So ist es z.B. fast schon selbstverständlich, daß die jährlichen Theateraufführungen - und nicht erst, seit es einen Grundkurs 'Literatur mit dramaturgisch-praktischem Anteil' gibt - den Rahmen einer 'Schulveranstaltung' sprengen, ebenso wie manch große (hauptsächlich Chor-)Konzerte und andere musikalische Einstudierungen der vergangenen Jahre, aufgeführt in der Aula der Schule oder in den heimischen Kirchen.

200 Jahre Reichenbach-Schule sind 1999 nicht nur in einem Festakt gewürdigt worden; in einer Vielzahl von sehr unterschiedlichen Aktionen hat die Schule ihr vielseitiges Engagement und ihre eigene Note demonstriert. Einen Einblick gerade auch in die Aktivitäten und Besonderheiten, die über das schulische Alltagsleben hinausreichen oder von ihm abweichen, ermöglicht die jährlich erscheinende Schulzeitung, die von einem engagierten, für die Schule insgesamt sehr hilfreichen Förderverein herausgegeben wird.


Allen an unserer Schulgeschichte Interessierten empfehlen wir das Buch "Von der Reichenbach-Schule 1799 zum Reichenbach-Gymnasium 1979". Es wurde zum 180. Jubiläum von unserem verstorbenen Kollegen Dieter Wiethege verfaßt und vom Förderverein herausgegeben. Es ist für 5,00 € im Sekretariat erhältlich.